Was ist ein RAW-Format? 3 Vorteile, die relevant sind

By teamnext Editorial Team

Als RAW-Formate werden Dateiformate für Digitalfotos bezeichnet, bei denen die Daten des Bildsensors ohne kamerainterne Nachbearbeitung und ohne verlustbehaftete Kompression gespeichert werden. RAW-Formate existieren auch für Scanner sowie für Kameras in der Kinofilmproduktion. Der Fokus liegt hier ausschließlich auf RAW-Dateien in der Digitalfotografie.

Der Begriff RAW leitet sich vom englischen raw data ab und bedeutet Rohdaten. Im Deutschen ist daher auch die Bezeichnung Rohdatenformat gebräuchlich.

Vom Negativ zur RAW-Datei

In der Analogfotografie nahm das Negativ die Rolle der ursprünglichen Bildquelle ein. In der Digitalfotografie übernimmt diese Funktion die RAW-Datei. Sie kann als digitales Negativ verstanden werden.

RAW-Dateien sind unfertige Bilddateien. Sie müssen vor der Nutzung in ein Endformat wie JPEG oder TIFF überführt werden. Dieser Vorgang wird als RAW-Konvertierung bezeichnet. Historisch entspricht er der klassischen Fotoentwicklung.

Mit dem DNG-Format stellte Adobe 2004 einen offenen Standard für Rohdaten vor. DNG steht für Digital Negative. Trotz dieser Initiative setzten Kamerahersteller weiterhin auf eigene proprietäre RAW-Formate. Heute existieren mehr als 200 unterschiedliche Varianten. Da viele Formate technisch nicht offen dokumentiert sind, lassen sie sich oft nur mit herstellerspezifischer Software vollständig verarbeiten.

Welche Daten enthält ein RAW-Format?

Eine RAW-Datei speichert mehrere Datenarten:

• Rohdaten des Bildsensors mit Farb- und Helligkeitsinformationen pro Pixel
• aufnahmespezifische Parameter wie Fokus, Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert
• Metadaten wie Aufnahmezeitpunkt, GPS-Daten und Kameramodell, meist gemäß Exif
• ein eingebettetes Vorschaubild, häufig im JPEG-Format

Welche Vorteile bieten RAW-Formate?

1. Individuelle Vorverarbeitung

RAW-Dateien erlauben die nachträgliche Festlegung von Entwicklungseinstellungen, die bei JPEG oder TIFF bereits kameraseitig angewendet werden. Dazu zählen unter anderem:

• Weißabgleich
• Farbsättigung
• Farbraum
• Kontrast
• Schärfung
• Rauschunterdrückung
• Tonwertkorrektur

Diese Schritte sind Teil der RAW-Konvertierung und entsprechen funktional den Arbeiten in der klassischen Dunkelkammer. Statt chemischer Prozesse kommen heute Softwarewerkzeuge zum Einsatz.

Gängige RAW-Konverter sind unter anderem:

• Adobe Lightroom
• Capture One
• darktable

Auch bei bereits entwickelten Bilddateien sind Korrekturen möglich. Der Spielraum ist dort jedoch eingeschränkt. Zudem gehen durch frühere Verarbeitungsschritte bereits Bildinformationen verloren. Bei JPEG-Dateien kommt zusätzlich die verlustbehaftete Kompression hinzu.

2. Unkomprimierte Speicherung

RAW-Formate speichern Sensordaten grundsätzlich unkomprimiert oder verlustfrei komprimiert. Im Gegensatz zu JPEG gehen keine Bildinformationen verloren.

Der höhere Speicherbedarf wird bewusst in Kauf genommen. Für fotografische Anwendungen mit hohen Qualitätsanforderungen ist dies ein zentraler Vorteil.

Nahaufnahme eines Sensors einer Digitalkamera - Symbolbild Sensordaten RAW
Bildsensor einer Digitalkamera (rötlich reflektierend)

3. Maximale Farbtiefe

RAW-Dateien unterstützen eine sehr hohe Farbtiefe und Helligkeitsauflösung. Die maximale Farbtiefe liegt bei bis zu 48 Bit. Das entspricht rund 281 Billionen möglichen Farbwerten.

In der Praxis wird diese theoretische Obergrenze selten ausgeschöpft. Nur wenige High-End-Kamerasensoren sind in der Lage, diesen Farbumfang vollständig abzubilden.

Bekannte RAW-Formate

Die am weitesten verbreiteten RAW-Formate stammen von den großen Kameraherstellern. Das offene DNG-Format von Adobe nimmt eine Sonderrolle ein und wird hier nicht einsortiert.

Alphabetische Auswahl gängiger RAW-Formate:

• 3FR / FFF – Hasselblad
• ARW / SRF / SR2 – Sony
• CRW / CR2 / CR3 – Canon
• DCR – Kodak
• MRW – Minolta
• NEF / NRW – Nikon
• ORF – Olympus
• PEF / PTX – Pentax
• RAW / RW2 – Panasonic
• RAW / RWL – Leica
• SRW – Samsung
• X3F – Sigma

Kameras mit RAW-Unterstützung

In der Frühphase der Digitalfotografie war RAW-Fotografie auf professionelle Kameras beschränkt. Beispiele sind:

• Nikon D1, 1999
• Canon EOS-1D, 2001

Heute unterstützen nahezu alle professionellen und semiprofessionellen Kameras RAW-Aufnahmen. Auch viele Einsteigerkameras bieten diese Funktion. Eine umfangreiche Übersicht wird in der englischen Wikipedia gepflegt.

RAW-Fotografie mit Smartphones

Seit einigen Jahren unterstützen auch Smartphones RAW-Aufnahmen. Die Funktion ist häufig in den Kameraeinstellungen verborgen oder an spezielle Modi gebunden.

RAW-Fotografie auf iPhones

Apple nutzt für neuere Modelle das Format ProRAW. Es kombiniert klassische RAW-Daten mit der internen Bildverarbeitung des iPhones.

Unterstützte Modelle:

• iPhone 12 Pro
• iPhone 12 Pro Max
• iPhone 13 Pro
• iPhone 13 Pro Max
• iPhone 14 Pro
• iPhone 14 Pro Max

Zur Aktivierung wird in den Kameraeinstellungen der ProRAW-Modus freigeschaltet. Beim Fotografieren muss RAW explizit aktiviert werden.

Auch ältere iPhones ab dem iPhone 6S können RAW-Dateien erzeugen. Voraussetzung ist iOS 10 oder neuer sowie eine Kamera-App eines Drittanbieters. Das ProRAW-Format wird dabei nicht unterstützt.

RAW-Fotografie auf Android-Smartphones

Android unterstützt RAW-Aufnahmen grundsätzlich seit Version 5.0. Die Unterstützung hängt jedoch von der jeweiligen Kamera-App ab.

Google bietet RAW-Fotografie seit dem Pixel 3 standardmäßig an. Ältere Modelle wie das Pixel 2 wurden nachträglich freigeschaltet.

Bei Pixel-Geräten wird im RAW-Modus meist parallel eine JPEG-Datei gespeichert. RAW-Dateien werden in der Regel im DNG-Format abgelegt und in einem separaten Ordner gespeichert.

Auch andere Hersteller bieten RAW-Modi an. Die Umsetzung ist gerätespezifisch.

RAW-Dateien öffnen und verarbeiten

RAW-Dateien werden gelegentlich weitergegeben, etwa versehentlich, als Nachweis der Urheberschaft oder zur bewussten Auslagerung der Weiterverarbeitung.

Die benötigte Software hängt vom Format ab:

• seltene proprietäre Formate erfordern oft Herstellersoftware
• verbreitete Formate lassen sich mit universellen RAW-Konvertern öffnen
• DNG-Dateien werden von vielen Programmen nativ unterstützt

Eine bekannte freie Lösung ist darktable. Sie unterstützt eine große Anzahl gängiger RAW-Formate. Auch einfache Bildbetrachter unter Windows oder Programme wie Photoshop Express können DNG-Dateien öffnen.

Vorsicht bei Online-Konvertern

Online-Dienste zur RAW-Konvertierung sind verfügbar. Beim Upload werden jedoch nicht nur Bilddaten, sondern auch Metadaten an externe Server übertragen. Für sensible oder professionelle Inhalte ist daher Zurückhaltung geboten.