So gelingt die systematische Verschlagwortung von Bildern

By teamnext Editorial Team

Dieser Beitrag erklärt, warum die Verschlagwortung von Bildern wichtig ist und was eine gute Verschlagwortung ausmacht. Zunächst werden die zentralen Begriffe geklärt.

Der Vorgang der Verschlagwortung wird fachsprachlich auch als Indexierung bezeichnet. Im Englischen sind mehrere Begriffe üblich, zum Beispiel tagging, keywording oder subject indexing. Gemeint ist jeweils das Versehen von Dokumenten, Medien und anderen Inhalten mit Deskriptoren. Deskriptoren sind beschreibende Textelemente, also Schlagwörter oder Stichwörter.

Das Ziel ist die bessere Auffindbarkeit von Inhalten in einem Archiv oder einer Datenbank. Der Fokus liegt hier auf digitalen Medien und insbesondere auf Fotos.

Nutzen guter Verschlagwortung

Der wichtigste Nutzen wurde bereits genannt. Verschlagwortung erhöht die Auffindbarkeit von Dateien in einer digitalen Datenbank.

Zusätzlich schafft sie Struktur und Übersicht. Schlagwörter werden in der Regel nicht flach, sondern hierarchisch organisiert. Damit wird die Suche stabiler und die Bestände werden konsistenter nutzbar.

Eine Fotosammlung über Schlagwörter zu durchsuchen ist komfortabler als eine reine Ordnernavigation. Eine Ordnerstruktur bleibt hilfreich, stößt aber ab einer gewissen Bestandsgröße an Grenzen. Ab etwa 10.000 Bildern ist eine systematische Verschlagwortung sinnvoll.

Entscheidend ist die Vollständigkeit. Wer nur einen Teil des Bestands verschlagwortet, schafft eine Suche mit Lücken. Systematisch bedeutet daher auch konsequent.

Richtig verschlagworten in drei Schritten

Wer einen größeren Bildbestand erschließen will, benötigt in der Regel eine geeignete Software. Bordmittel des Betriebssystems reichen selten aus. Der Windows Explorer erlaubt zwar rudimentäre Verschlagwortung bei Formaten wie JPEG oder TIFF, unterstützt aber typischerweise keine systematische, kontrollierte Struktur.

Nach den folgenden Abschnitten lässt sich besser einschätzen, ob vorhandene Software die Anforderungen an professionelle Verschlagwortung erfüllt.

Grundregel: Wortschatz kontrollieren

Einfach Begriffe einzutragen, die spontan einfallen, führt in der Praxis zu Inkonsistenzen. Professionelle Verschlagwortung benötigt ein kontrolliertes Vokabular, fachsprachlich auch Thesaurus genannt.

Zu klären ist:

• welche Begriffe zum Vokabular gehören
• welche Begriffe ausgeschlossen werden
• wie Begriffe strukturiert und gepflegt werden

Schritt 1: passende Kategorien definieren

Am Anfang steht die Frage, welche Themen im Bestand dominieren. Daraus werden Kategorien abgeleitet, die als oberste Ebene dienen.

Beispiel Naturfotografie:

• Tiere
• Pflanzen
• Pilze

Schritt 2: mit Ober und Unterbegriffen arbeiten

Kategorien sind Oberbegriffe. Darunter werden weitere Ebenen aufgebaut.

Beispiel innerhalb von Tiere:

• Säugetiere
• Vögel
• Amphibien
• Reptilien
• Fische
• Insekten

Unterbegriffe zu Säugetiere:

• Hunde
• Katzen
• Primaten
• Nagetiere

Auf der untersten Ebene steht die spezifische Bezeichnung, zum Beispiel Artname oder Zuchtrasse.

Beispielhafte Hierarchie:

• Tiere
• Säugetiere
• Hunde
• Haushunde
• Dackel
• Kurzhaardackel

Das Prinzip ist auf andere Themen übertragbar.

Beispiel Technik:

• Technik
• Kommunikationstechnik
• Mobiltelefonie
• Smartphones
• iPhone
• iPhone 14 Pro Max

Konzepte verschlagworten

Schlagwörter müssen sich nicht auf Gegenstände beschränken. Auch Konzepte können verschlagwortet werden, zum Beispiel Emotionen, Stimmungen oder Stilrichtungen.

Beispiel:

• Konzepte
• Bildstimmung
• romantisch

Hierarchische Systeme werden häufig als Schlagwortbaum bezeichnet. Die Struktur ähnelt taxonomischen Modellen. Eine zu große Tiefe erhöht jedoch die Komplexität. Eine maximale Verzweigungstiefe von fünf bis sechs Ebenen ist in vielen Projekten praktikabel.

Ein zentraler Nutzen der Struktur ist die Reduktion manueller Eingaben. In guten Lösungen reicht die Eingabe eines Unterbegriffs. Übergeordnete Begriffe werden automatisch ergänzt.

Beispiel Eingabe Kurzhaardackel führt zu:

• Tiere
• Säugetiere
• Hunde
• Haushunde
• Dackel
• Kurzhaardackel

Schritt 3: Synonyme anlegen

Professionelle Lösungen erlauben die Pflege von Synonymen. Das erweitert die Suche und spart Zeit.

Beispiel Synonyme für Säugetiere:

• Säugetier
• Mammalia
• mammals

Beispiel Synonyme für Dackel:

• Dachshund
• Dachshunde
• Teckel

Sind Synonyme definiert, kann eine einzelne Eingabe eine große Menge relevanter Begriffe ergänzen.

Beispiel Eingabe Kurzhaardackel führt zu Begriffen wie:

• Tier
• Tiere
• Fauna
• Säugetier
• Säugetiere
• Mammalia
• Hund
• Hunde
• Canidae
• Haushund
• Haushunde
• Canis lupus familiaris
• Dackel
• Teckel
• Dachshund
• Dachshunde
• Kurzhaardackel

Besondere Fälle und Limitationen

Baumstruktur und Synonyme erhöhen die Trefferquote:

• Baumstruktur unterstützt Suchen mit allgemeinen Begriffen oder Kombinationen
• Synonyme fangen alternative Schreibweisen ab

In bestimmten Kontexten sind bewusst hinterlegte Fehlschreibungen sinnvoll, vor allem wenn externe Nutzer suchen.

Beispiele:

• Albatros statt Albatross
• Ginkgo statt Gingko

Nicht alles lässt sich eindeutig lösen. Ein Beispiel ist der Begriff Eifelturm. Meist ist der Eiffelturm in Paris gemeint. Es existiert jedoch auch ein Eifelturm in der Eifel. Solche Mehrdeutigkeiten können nicht vollständig automatisiert abgefangen werden.

Unabhängig vom Inhalt: weitere Schlagwortkategorien

Neben inhaltlichen Begriffen gibt es weitere Kategorien, die häufig bestandsübergreifend relevant sind.

Formate

Typische Formatangaben sind:

• Querformat, horizontal
• Hochformat, vertikal
• Quadratformat, quadratisch
• Panorama, horizontal oder vertikal

Moderne Verschlagwortungstools können diese Informationen automatisch ergänzen.

Brennweiten und Zoomstufen

Typische Kategorien zur fotografischen Gestaltung:

• Teleaufnahme
• Nahaufnahme, Makro
• Mikroaufnahme
• Weitwinkelaufnahme
• Fischauge
• Perspektiven

Typische Kameraperspektiven:

• Vogelperspektive, Luftbild
• Froschperspektive
• Zentralperspektive, Augenhöhe
• Fluchtpunktperspektive

Bildausschnitt und Fokus

Typische Begriffe sind:

• Frontalansicht
• Rückansicht
• Seitenansicht
• Draufsicht
• Ganzkörperansicht
• Dreiviertelansicht
• Porträt

Weitere Kompositionsmerkmale

In der Praxis werden häufig Merkmale wie diese verschlagwortet:

• Hintergrund hell oder dunkel
• Innenaufnahme oder Außenaufnahme
• Studioaufnahme
• Freisteller
• Textfreiraum
• goldener Schnitt
• dominante Farben
• Belichtung lang oder kurz

Kategorien aus der Stockfotografie

In der Stockfotografie wird häufig mit zusätzlichen Schlagwortgruppen gearbeitet.

Personenanzahl:

• niemand, menschenleer
• 1 Person
• 2 Personen
• Menschengruppe

Ort und Zeit:

• Land, Bundesland, Stadt
• Jahrhundert, Jahrzehnt, Jahr
• Jahreszeit, Monat

Rechtliche Merkmale:

• Model Release vorhanden
• Property Release vorhanden
• lizenzfrei, royalty free
• lizenzpflichtig, rights managed
• nur redaktionelle Nutzung, editorial usage only
• werbliche Nutzung möglich, commercial usage possible


Beispiel: gute Verschlagwortung

Zum Abschluss folgt ein Beispiel. Es geht nicht um Caption oder Titel, sondern nur um Schlagwörter. Zur Übersicht werden die Begriffe in Gruppen aufgeteilt.

Beispielbild: Kurzhaardackel auf Treppe

Dackel auf Treppe - Beispielbild zum Verschlagworten
Beispielbild: Kurzhaardackel auf Treppe

Inhaltliche Schlagwörter für obiges Bild:

• Tier
• Tiere
• Fauna
• Säugetier
• Säugetiere
• Mammalia
• Hund
• Hunde
• Canidae
• Haushund
• Haushunde
• Haustier
• Haustiere
• Canis lupus familiaris
• Dackel
• Teckel
• Dachshund
• Dachshunde
• Kurzhaardackel
• gefleckt
• mehrfarbig
• Rüde
• Rüden
• Männchen
• Halstuch
• Treppe

Konzeptuelle Schlagwörter

• niedlich
• treu
• Treue
• Hundeblick

Formale Schlagwörter

• Fotografie
• Farbfoto
• Querformat
• Porträt
• Seitenansicht
• Zentralperspektive
• Blick in die Kamera, Augenkontakt
• Außenaufnahme
• Braun
• Brauntöne
• niemand