XMP vs. IPTC: Worin bestehen die Unterschiede?
By teamnext Editorial Team
Wer diesen Beitrag gezielt gesucht hat, weiß in der Regel, dass es um Fotometadaten geht. Die zentrale Frage lautet meist: Was unterscheidet XMP von IPTC?
Im Netz finden sich dazu viele unpräzise Aussagen. Selbst erfahrene Profifotografen liegen hier regelmäßig falsch. Der Grund ist ein grundlegendes Missverständnis von Begriffen. Um es aufzulösen, braucht es eine klare Begriffsbestimmung. Denn der Begriff IPTC ist uneindeutig. Je nach Kontext kann Unterschiedliches gemeint sein. Genau deshalb müsste der Titel streng genommen lauten: XMP vs. IPTC-IIM.
Schema und Format sind nicht dasselbe
Ein digitaler Metadatenstandard muss mindestens zwei Aspekte abdecken.
Erstens müssen Metadatenfelder definiert werden. Dabei geht es um Fragen wie:
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Welche Informationen sollen erfasst werden
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Welche Felder gibt es
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Welche Zeichenlängen sind zulässig
Zweitens muss festgelegt werden, wie und wo die Daten gespeichert werden. Das betrifft zum Beispiel:
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Speicherung in einer Filialdatei
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Speicherung in einem definierten Bereich der Hauptdatei
Die Menge definierter Metadatenfelder nennt man Metadatenschema. Die technische Art der Speicherung nennt man Metadatenformat.
Damit ist klar: Ein Vergleich ist nur zwischen Formaten oder zwischen Schemata sinnvoll, nicht zwischen Schema und Format.
Was ist der IPTC-IIM-Standard?
IIM steht für Information Interchange Model. Es handelt sich um den ersten Metadatenstandard, der speziell für den Austausch digitaler Bilder entwickelt wurde. Verantwortlich dafür war das International Press Telecommunications Council, kurz IPTC. Die erste Version erschien 1991.
1994 hat Adobe mit Photoshop ermöglicht, IPTC-IIM-konforme Metadaten direkt in den Kopfbereich von JPEG, TIFF und PSD Dateien einzubetten. Der sogenannte IPTC Header entstand. Er etablierte sich als Standardformat für deskriptive Fotometadaten. Technische Metadaten kamen 1995 mit Exif hinzu.
Was ist XMP?
XMP steht für Extensible Metadata Platform. Adobe hat XMP als technisch verbesserten Metadatenstandard entwickelt und ab 2001 bereitgestellt. XMP basiert auf RDF und XML und ist deutlich flexibler als IPTC-IIM.
Der entscheidende Punkt ist: XMP ist so konzipiert, dass darüber verschiedene Metadatenschemata abgebildet werden können, auch das IPTC Schema. Dieses IPTC Schema ist in zwei Teile gegliedert:
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IPTC Core
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IPTC Extension
Status Quo von IPTC-IIM
Das IPTC Gremium entwickelt die genannten Schemata bis heute weiter. Die Fortentwicklung des IIM Formats wurde dagegen bereits 1997 eingestellt. 2014 gab es noch eine geringfügige Anpassung, danach keine Weiterentwicklung mehr.
IPTC-IIM gilt daher als technisch überholtes Legacy Format. Trotzdem wird es weiterhin von vielen Bildverwaltungsprogrammen unterstützt und ist in älteren Archivsystemen noch im Einsatz. Um Kompatibilität zu maximieren, werden deskriptive Fotometadaten häufig mehrfach in einer Datei gespeichert:
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im IIM Header
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im XMP Header
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teilweise auch im Exif Bereich
Status Quo von XMP
XMP unterstützt nicht nur viele Bild und Grafikformate, sondern auch zahlreiche Video und Audioformate sowie PDF Dokumente. Seit 2012 ist der Kernteil der XMP Spezifikation als ISO Standard 16684 1 definiert.
Durch die Flexibilität bei der Abbildung unterschiedlicher Schemata wird XMP nicht nur vom IPTC Gremium genutzt, sondern auch von anderen Standardisierungsinitiativen wie DCMI, MWG oder W3C. Deshalb spricht man bewusst von XMP Standards im Plural.
Wie ist der IPTC Metadatenstandard heute definiert?
Der IPTC Fotometadatenstandard, auf Englisch IPTC Photo Metadata Standard, ist explizit für digitale Fotos und Fotodigitalisate konzipiert. Er ist nicht für Video, Vektorgrafiken oder Dokumente gedacht.
Der Standard umfasst alle Vorgaben, die nötig sind, um die beiden IPTC Schemata in einem definierten Metadatenformat zu speichern. Seit 2004 ist dafür XMP vorgesehen.
Daraus folgt ein zentraler Punkt:
Der IPTC Standard ist gleichzeitig ein XMP Standard.
Diese Aussage ist wichtig, weil sie den häufigsten Denkfehler erklärt.
Deep Dive – IIM und XMP auf Code-Ebene
Das IIM-Format verwendet für die Anordnung der Metadatenfelder numerische Kennungen, die jeweils als einzelnes Byte (Oktett) gespeichert sind. Es gibt einen vorangestellten Bereich (Envelope Record) mit 14 Feldern (6 davon Pflichtfelder) und den Hauptbereich (Application Record) mit 57 möglichen Feldern und einem Pflichtfeld. Das Feld für die Bildbeschreibung (Caption) hat z.B. die Kennung 2:120, das für die vorgesehene Zeichencodierung 1:90, wobei sich die vorangestellte Nummer aus der Position des Eintrags ergibt:
1 = Information steht im Envelope Record.
2 = Information steht im Application Record.
Tatsächlich wird also nur der Wert hinter dem Doppelpunkt gespeichert. Die Kennung für die Bildbeschreibung (120) sähe in Binärcode dann so aus: 01111000
Für das Bildbeschreibungsfeld ist ein Textstring vorgesehen, der maximal 2000 Bytes groß sein darf. Codiert wird der Text so, wie unter 1:90 im Envelope Record festgelegt (meist mit UTF-8, um Sonderzeichen und Umlaute darstellen zu können).
XMP-Daten bestehen hingegen aus einem einzelnen (langen) Textstring, der stets UTF-codiert ist und mit dieser Zeichenfolge beginnt: <?xpacket begin=
Bei Verwendung von UTF-8 sähe das entsprechende Byte-Muster (hexadezimal dargestellt) so aus:
3C 3F 78 70 61 63 6B 65
74 20 62 65 67 69 6E 3D
Eine Software, die XMP unterstützt, scant bestimmte Dateisegmente (APP1 bei JPEG) daher stets nach diesem Byte-Muster ab. Bei IIM verhält es sich ähnlich.
XMP verwendet die Auszeichnungssprache XML. Wie bei HTML fungieren dort in spitze Klammern gesetzte Kennungen als Start- und End-Tags. Das erklärt vielleicht auch, warum Entwickler eher von XMP tags sprechen (und nicht von fields).
Gemäß des IPTC-Extension-Schemas würde ein Eintrag für die Stadt, in der eine Aufnahme gemacht wurde (LocationCreatedCity), dann so aussehen:
<Iptc4xmpExt:City>Kassel</Iptc4xmpExt:City>
Welche Vorteile hat XMP gegenüber IIM?
Kompatibilität
Machen wir uns nichts vor. IPTC-IIM ist nur für die Dateiformate JPEG, TIFF und PSD (Photoshop) vorgesehen; moderne Bildformate wie WebP oder HEIC bieten keine Unterstützung dafür. Zwar lässt sich ein IPTC-IIM-Header mit entsprechenden Tools auch ein paar weniger bekannten Dateiformaten „aufzwingen“, aber ein Auslaufmodell ist IIM trotzdem.
XMP wird hingegen von vielen proprietären Adobe-Formaten sowie einer Vielzahl offener Grafik- und Videoformate unterstützt. Aus Platzgründen hier nur eine Auswahl:
Grafikformate
JPG, TIFF, PSD, PNG, WebP, HEIC/HEIF, GIF, IND, INX, EPS, DJVU, SVG, PGF, XCF sowie DNG, CRW, NEF und andere RAW-Formate (teilweise aber nur per Filialdatei)
Videoformate
MOV, AVI, ASF, WMV, FLV, SWF, MP4, WMA
Dokumentformate
PDF
Erweiterbarkeit
Das X in XMP steht wie erwähnt für extensible. Die Anzahl möglicher Felder ist eben nicht beschränkt, sondern beliebig erweiterbar. XMP ist entwickelt worden im Wissen, dass neue Anforderungen immer wieder neue Anpassungen und Erweiterungen nötig machen. Und wie wir in diesem Beitrag gezeigt haben, müssen selbst Nutzer, die auf altbewährte Strukturen vertrauen, den Umstieg auf XMP nicht scheuen. Im Gegenteil – wie wir nun wissen, können Schemata wie IPTC Core (oder z.B. auch Dublin Core) problemlos per XMP abgebildet werden.
Fazit
IPTC-IIM ist ein technisch überholtes Format, das in manchen Archivsystemen weiterhin existiert. Wenn eine Wahl besteht, ist XMP die bessere Grundlage. XMP ist flexibler, kompatibler und breiter akzeptiert.