Was sind Vektorgrafiken? Und welche Formate gibt es?

By teamnext Editorial Team

Vektorgrafiken funktionieren anders als Bildformate wie JPEG, PNG oder TIFF. Diese Formate basieren auf Pixeln. Vektorgrafiken basieren auf Vektoren.

Der elementare Unterschied zwischen Vektor und Pixelformaten

Pixelbasierte Grafiken werden über ein Raster erzeugt. Sie heißen deshalb Rastergrafiken. Hier gilt:

• je größer das Raster, desto mehr Pixel
• je mehr Pixel, desto größer die Datei

Wenn eine Rastergrafik einen Kreis zeigt, entstehen beim Hineinzoomen sichtbare Kanten. In der Datei ist nicht definiert, was ein Kreis ist. Ein Kreis wird nur über viele Pixel angenähert.

Vektorgrafiken speichern mathematisch beschreibbare Inhalte. Vektoren beschreiben Form und Position geometrischer Objekte. Ein Kreis wird über Mittelpunkt und Radius definiert. Zusätzlich werden Eigenschaften festgelegt, zum Beispiel:

• Linienfarbe
• Linienstärke
• Füllfarbe
• Transparenz

Absolute Größen spielen bei Vektorgrafiken keine Rolle. Elemente werden relativ zueinander beschrieben. Deshalb lassen sich Vektorgrafiken verlustfrei skalieren. Beim Zoomen entstehen keine Kanten, abgesehen vom Pixelraster des Monitors.

Vergleich von Vektorgrafiken und Rastergrafiken bei Skalierung
Vergleich von Vektorgrafik und Rastergrafik. Vektorgrafiken lassen sich ohne Qualitätsverlust vergrößern.

Neben der Skalierbarkeit benötigen Vektorgrafiken oft weniger Speicherplatz. Es ist effizienter, Geometrie zu beschreiben als jeden Pixelwert einzeln zu speichern.

Begrenzter Gültigkeitsbereich

Vektorgrafiken sind für geometrisch beschreibbare Formen geeignet. Pfade und grafische Primitive lassen sich gut mathematisch darstellen, zum Beispiel:

• Linien
• Kreise
• Polygone

Für Fotos, Gemälde oder Handzeichnungen ist das ungeeignet. Diese Inhalte bestehen aus ungeordneten Strukturen. Sie werden sinnvoll nur als Rastergrafik abgebildet.

Der Begriff Vektorgrafik bezieht sich in der Regel auf zweidimensionale Inhalte, nicht auf 3D Modellierung.

Die 6 wichtigsten Formate für Vektorgrafiken

1. AI, Adobe Illustrator Artwork

AI ist ein proprietäres Format von Adobe Illustrator. Es unterstützt Ebenen und Transparenz. AI Dateien können in anderen Programmen angesehen und eingeschränkt bearbeitet werden, zum Beispiel in Adobe Acrobat. Das volle Funktionsspektrum steht in Illustrator zur Verfügung.

2. CDR, CorelDraw File Format

CDR ist ein proprietäres Format von CorelDraw. CDR Dateien lassen sich in anderen Programmen ansehen und konvertieren, zum Beispiel mit IrfanView. Die Quelldaten werden typischerweise in CorelDraw bearbeitet.

3. SVG, Scalable Vector Graphics

SVG ist ein standardisiertes Format für zweidimensionale Vektorgrafiken. Es wurde für die Wiedergabe auf Webseiten entwickelt und basiert technisch auf XML. SVG Dateien lassen sich in jedem Browser öffnen. Für die Bearbeitung werden Programme wie Illustrator, CorelDraw oder Inkscape genutzt.

4. WMF, Windows Metafile

WMF ist ein vektorbasiertes Format von Microsoft und kann auch Rastergrafiken einbinden. Es wurde für Office Anwendungen entwickelt und unterstützt den Austausch von Grafiken zwischen Programmen, auch über die Zwischenablage. EMF ist eine Weiterentwicklung mit zusätzlicher Unterstützung, unter anderem für höhere Farbtiefen.

5. EPS, Encapsulated PostScript

EPS basiert auf PostScript, einer Seitenbeschreibungssprache für Publishing und Druck. Das Format wurde von Adobe entwickelt und gilt als Vorgänger von PDF.

6. PDF, Portable Document Format

PDF kann Vektorgrafiken und Rastergrafiken enthalten. Viele PDF Dokumente sind Mischformen:

• Text wird meist vektorisiert gespeichert
• Fotos werden als Rastergrafiken eingebettet

Hinweis: Das F in PDF steht für Format. Streng genommen wäre PD Format logisch, im Sprachgebrauch ist PDF etabliert.

Wofür werden Vektorgrafiken verwendet?

Vektorgrafiken werden häufig für Inhalte genutzt, die skalierbar und präzise bleiben müssen, zum Beispiel:

• Logos und Schriftzüge
• Infografiken
• technische Diagramme
• Illustrationen
• Landkarten und Stadtpläne
• Schriftarten
• Comics

Mit welchen Programmen lassen sich Vektorgrafiken bearbeiten?

Proprietäre Formate wie AI und CDR werden typischerweise in den jeweiligen Programmen bearbeitet. Alternative Programme können je nach Format ebenfalls geeignet sein. Inkscape ist eine verbreitete freie Lösung.

Wichtige Programme sind:

• Adobe Illustrator, Windows, macOS
• Affinity Designer, Windows, macOS
• Apache OpenOffice Draw, Windows, macOS, Linux
• CorelDraw, Windows, macOS
• FreeHand, Windows, macOS
• Inkscape, Windows, macOS, Linux
• Karbon, Linux
• PhotoLine, Windows, macOS
• LibreOffice Draw, Windows, macOS, Linux
• Synfig, Windows, macOS, Linux
• Xara Designer Pro, Windows
• Xfig, Linux

Wie erstellt man eine Vektorgrafik?

Es gibt zwei grundsätzliche Wege.

Möglichkeit 1: Erstellung im Vektorgrafikprogramm

Die Grafik wird direkt im Programm gezeichnet, also ohne Vorlage.

Möglichkeit 2: Vektorisierung einer Rastergrafik

Eine vorhandene Rastergrafik wird nachgezeichnet oder automatisch vektorisiert. Eingestellt werden typischerweise:

• Detailstufe der Vektorisierung
• Farbtiefe des Zielformats
• Transparenz des Hintergrunds